1. Was sind Grüntee-Polyphenole und EGCG?
Grüner Tee enthält eine Gruppe pflanzlicher Verbindungen, die Catechine genannt werden. Der bekannteste Vertreter ist EGCG, kurz für Epigallocatechingallat. Weitere Catechine sind ECG, EGC und EC. Zusammen werden diese Verbindungen oft als Grüntee-Polyphenole zusammengefasst.
Forschende interessieren sich für Catechine, weil UV-Licht mehr bewirkt als nur Rötungen. Es kann Entzündungen auslösen, lokale Immunzellen beeinträchtigen, DNA schädigen und mit der Zeit Kollagen sowie elastische Fasern in der Dermis verändern. In Laborstudien und experimentellen Studien am Menschen scheinen Grüntee-Catechine in mehrere dieser Prozesse einzugreifen.
Entscheidend ist die Form der Anwendung. Eine Tasse grüner Tee, eine konzentrierte EGCG-Kapsel und eine Grüntee-Creme zur äußerlichen Anwendung sind nicht austauschbar. Sie liefern unterschiedliche Mengen an verschiedene Bereiche des Körpers und gehen mit unterschiedlichen Sicherheitsaspekten einher.
2. Wie sie in sonnenexponierter Haut wirken könnten
Grüntee scheint nicht wie Sonnencreme zu wirken. In einer Studie am Menschen zu äußerlich angewendeten Grün- und Weißtee-Extrakten hatten die Produkte einen SPF von etwa 1, schienen aber nach einer UV-Exposition, die Sonnenlicht simulierte, dennoch bestimmte Aspekte der Hautimmunität zu schützen. Das spricht eher für einen biologischen Effekt als für ein bloßes Blockieren von UV-Strahlung.
Grüntee-Catechine könnten helfen, indem sie UV-ausgelöste Entzündungen dämpfen, oxidativen Stress verringern und einige spätere Signale begrenzen, die an Rötung und Gewebebelastung beteiligt sind. Kleine Studien am Menschen ergaben, dass vor UVB-Exposition aufgetragenes EGCG oder Mischungen aus Grüntee-Polyphenolen Erytheme, die Einwanderung entzündlicher Zellen, Sonnenbrandzellen und einige Marker für DNA-Schäden reduzierten.
Es gibt auch Hinweise darauf, dass oral eingenommene Catechine die Haut erreichen können. In einer 12-wöchigen Studie wurden nach der Einnahme entsprechende Verbindungen im Hautgewebe und in Blasenflüssigkeit gefunden. Eine Folgeanalyse identifizierte mehrere Catechin-Metaboliten in Plasma, Hautflüssigkeit und Biopsien, darunter auch Verbindungen, die durch Darmbakterien verändert wurden. Damit ist die Einnahme von Catechinen biologisch plausibel. Plausibel bedeutet jedoch nicht, dass ein klinischer Schutz bewiesen ist.
3. Was die Evidenz sagt
Das klarste Muster zeigt sich bei Präparaten mit Grüntee zur äußerlichen Anwendung, die vor der UV-Exposition verwendet werden. Ältere Split-Site-Studien am Menschen fanden, dass topische Grüntee-Polyphenole Rötungen verringerten, Langerhans-Zellen schützten und UV-bedingte DNA-Schäden reduzierten. EGCG und ECG schienen bei Rötungen aktiver zu sein als einige andere isolierte Catechine, wobei Mischungen aus mehreren Grüntee-Bestandteilen insgesamt besser wirken könnten als einzelne isolierte Substanzen.
Die Evidenz zur oralen Einnahme ist uneinheitlicher. Eine placebokontrollierte Studie aus 2011 mit 60 Frauen verwendete 12 Wochen lang ein catechinreiches Grüntee-Getränk und zeigte bessere Messwerte zur Photoprotektion und Hautqualität. Eine weitere offene Studie gab hellhäutigen Erwachsenen 12 Wochen lang Grüntee-Catechine plus Vitamin C und fand Catechin-Metaboliten in der Haut, eine geringere Rötungsreaktion auf UV und niedrigere UV-induzierte 12-HETE-Werte, ein entzündliches Lipidsignal.
Die besser kontrollierten Studien zur oralen Einnahme fallen vorsichtiger aus. In einer doppelblinden randomisierten Studie nahmen 50 hellhäutige Erwachsene 12 Wochen lang täglich 1080 mg Grüntee-Catechine plus Vitamin C oder Placebo ein. Die Verumgruppe zeigte keinen signifikanten Schutz bei minimaler Erythemdosis, Rötungsreaktion, Einwanderung entzündlicher Zellen, PGE2 oder 12-HETE. Ein verwandter randomisierter Studienendpunkt zeigte ebenfalls keine Verringerung direkt UV-induzierter DNA-Läsionen nach höher dosierter sonnenlichtsimulierter Strahlung.
Die Evidenz für Reparatur und lichtbedingte Hautalterung (photoaging) ist weiterhin begrenzt. Eine mechanistische Studie aus 2022 fand, dass orale Catechine nach akuter UV-Exposition selektiv Fibulin-5 schützten, ein Protein, das mit der Struktur elastischer Fasern zusammenhängt. Dieselbe Studie zeigte jedoch keinen breiten Schutz bei Messwerten zu Kollagen oder elastischen Fasern. Auch längerfristige Studien zur lichtbedingten Hautalterung waren enttäuschend: Eine zweijährige Studie zu oral eingenommenen Grüntee-Polyphenolen bei Frauen verbesserte im Vergleich zu Placebo die wichtigsten histologischen Endpunkte der lichtbedingten Hautalterung nicht signifikant.
Zur Einordnung: Grüntee gehört zu mehreren ergänzenden Ansätzen, die zur Unterstützung der Haut bei Sonneneinwirkung untersucht werden, darunter Polypodium leucotomos, Nicotinamid, Carotinoide, Astaxanthin, Beta-Carotin und Lycopin. Keiner davon ersetzt Sonnencreme.
Äußerliche Anwendung: Deutlichstes Signal am Menschen, vor allem vor UV-Exposition.
Orale Catechine: Erreichen die Haut, aber der Schutz ist gering und uneinheitlich.
Erholung: Frühe mechanistische Daten, nicht genug, um sichtbare Reparatur zu versprechen.
4. Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel und äußerliche Anwendungen
Aufgebrühter grüner Tee ist die schonendste Variante. Er liefert Catechine zusammen mit Koffein und anderen Teeverbindungen, aber die Dosis variiert je nach Teesorte, Ziehzeit und Portionsgröße. Die positive Getränkestudie verwendete etwa 1402 mg Catechine pro Tag, deutlich mehr, als viele gelegentliche Teetrinker aufnehmen.
Nahrungsergänzungsmittel sind konzentrierter und weniger vorhersehbar. Die NIH-Datenbank für Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln fand bei Grüntee-Nahrungsergänzungsmitteln je nach Produkt Unterschiede bei Catechinen, EGCG und Koffein. Das erklärt, warum die Angaben auf dem Etikett eines Nahrungsergänzungsmittels nicht immer sauber zu einer in Studien verwendeten Dosis passen.
Viele orale Studien verwendeten 12 Wochen lang standardisierte Catechin-Extrakte plus Vitamin C. Vitamin C wird oft zugesetzt, um Catechine zu stabilisieren; deshalb lassen sich die Ergebnisse nicht immer auf Produkte mit nur EGCG oder auf normales Teetrinken übertragen.
Bei Produkten zur äußerlichen Anwendung hängt viel von der Formulierung ab. Konzentration, Stabilität, Hautdurchdringung und die Frage, ob die Rezeptur einen Grüntee-Gesamtextrakt oder isoliertes EGCG verwendet, können die Ergebnisse beeinflussen. Eine kontrollierte Studie zu einer Lotion mit 4 % Grüntee-Extrakt ergab, dass der Effekt zeitabhängig zu sein schien, mit deutlicheren Veränderungen nach wiederholter Anwendung als unmittelbar danach.
5. Sicherheit
Für die meisten Erwachsenen gilt aufgebrühter grüner Tee in normalen Trinkmengen als sicher. Die wichtigsten praktischen Hinweise betreffen Koffeinempfindlichkeit, Schlafstörungen bei spätem Konsum und mögliche Wechselwirkungen mit einigen Arzneimitteln.
Konzentrierter Grüntee-Extrakt ist eine andere Kategorie. NCCIH weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Grüntee-Extrakt Übelkeit, Verstopfung, Bauchbeschwerden und erhöhten Blutdruck verursachen können und dass seltene Leberschäden berichtet wurden. Wechselwirkungen wurden mit Nadolol, Atorvastatin, Raloxifen und möglicherweise weiteren Arzneimitteln beschrieben.
EFSA kam zu dem Schluss, dass Catechine aus Grüntee-Aufgüssen im Allgemeinen kein Sicherheitsproblem darstellen, dass aber eine tägliche Aufnahme von 800 mg oder mehr EGCG aus Nahrungsergänzungsmitteln in Studien mit erhöhten Leberenzymen in Verbindung gebracht wurde. LiverTox beschreibt konzentrierten Grüntee-Extrakt außerdem als gut belegte Ursache seltener klinisch erkennbarer Leberschäden, die meist innerhalb von 1–6 Monaten nach Beginn der Anwendung auftreten.
Äußerlich angewendeter Grüntee gilt meist als Option mit geringerem systemischem Risiko, aber Hautreizungen oder Allergien können bei jedem kosmetischen Wirkstoff auftreten. Ein Patch-Test ist bei reaktiver Haut sinnvoll.