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Sonne und Akne: hilfreich oder schädlich?

Sonne gegen Akne wirkt anfangs vielleicht hilfreich, doch UV-Schäden können die zugrunde liegenden Hautprozesse verschlechtern. Erfahren Sie, was die Evidenz sagt und wie Sie sich schützen.

Junger Mann mit leicht zu Akne neigender Haut im Morgenlicht neben einer markenlosen Tube Sonnenschutz.

Kurzantwort

Sonnenexposition ist keine evidenzbasierte Methode, um Akne vorzubeugen oder zu behandeln. Manche Menschen haben zwar den Eindruck, dass ihre Haut nach etwas Sonne ruhiger aussieht, doch dieser Effekt hält meist nur kurz an und kann daran liegen, dass eine Bräunung die Rötung kaschiert, statt dass sich die Akne wirklich bessert. Die stärkste Forschung zu lichtbasierten Aknebehandlungen betrifft kontrollierte Geräte mit sichtbarem Licht, vor allem Blaulicht, nicht ungeschütztes Sonnenbaden. Natürliches Sonnenlicht enthält außerdem ultraviolette Strahlung, die die Haut schädigen, Post-Akne-Male verdunkeln, die Hautalterung beschleunigen und das Hautkrebsrisiko erhöhen kann.

Evidenzstärke
auf einen Blick
Begrenzt

Kontrollierte Therapien mit sichtbarem Licht können manchen Menschen mit Akne helfen, doch aktuelle Akne-Leitlinien empfehlen gezielte natürliche Sonnenexposition nicht als Behandlung, und UV-Exposition hat klare, gut belegte Risiken.

1. Was Menschen meinen, wenn sie sagen, die Sonne helfe gegen Akne

Die Vorstellung, dass Sonne Akne „austrocknet“, gibt es schon lange, und es ist leicht zu verstehen, warum. Nach einem Urlaub oder ein paar sonnigen Tagen wirken Rötungen oft weniger auffällig, fettige Haut kann sich eine Zeit lang trockener anfühlen, und eine leichte Bräunung kann Unreinheiten weniger sichtbar machen.

Akne ist aber nicht einfach nur feuchte oder fettige Haut, die ausgetrocknet werden muss. Beteiligt sind verstopfte Poren, Talg, Entzündungen, das Bakterium namens Cutibacterium acnes sowie Hormone und die Hautbarriere. Eine kurzzeitige kosmetische Besserung bedeutet nicht, dass der Akneprozess behandelt wurde.

Moderne Akne-Leitlinien tragen dem Rechnung. Die Leitlinie der Amerikanischen Akademie für Dermatologie stellt Behandlungen wie Benzoylperoxid, topische Retinoide, Antibiotika, wenn angemessen, Hormontherapien und bei schweren Fällen Isotretinoin in den Vordergrund. Die NICE-Leitlinie behandelt die photodynamische Therapie nur in bestimmten Fällen bei Erwachsenen, wenn andere Behandlungen unwirksam sind, nicht vertragen werden oder ungeeignet sind. Keine der beiden Leitlinien empfiehlt gelegentliche Sonnenexposition als evidenzbasierte Aknebehandlung.

2. Warum Licht theoretisch bei Akne helfen könnte

Es gibt einen plausiblen biologischen Grund, warum Licht bei Akne helfen könnte: Bestimmte sichtbare Wellenlängen können mit Stoffen interagieren, die von C. acnes.

C. acnes gebildet werden. Das Bakterium produziert Verbindungen, die Porphyrine heißen. Wenn diese Porphyrine spezifischem Licht ausgesetzt werden, vor allem Blaulicht, können sie Reaktionen auslösen, die die Bakterien schädigen. Das ist das Grundprinzip hinter Blaulichtgeräten gegen Akne und einigen Formen der photodynamischen Therapie.

Das ist nicht dasselbe wie in der Sonne zu liegen. Medizinische oder kosmetische Lichtgeräte nutzen ausgewählte Wellenlängen, kontrollierte Dosen und wiederholte Behandlungspläne. Natürliches Sonnenlicht ist eine breite Mischung aus sichtbarem Licht, Infrarotwärme, UVA und UVB. Wenn Sie die Sonne als „Behandlung“ nutzen, können Sie den potenziell nützlichen Anteil des sichtbaren Lichts nicht vom schädlichen ultravioletten Anteil trennen.

Rotlicht kann in einigen Gerätestudien ebenfalls entzündungshemmende Effekte haben, und kombinierte Rot-Blau-Ansätze wurden untersucht. Aber auch diese Evidenz bezieht sich auf kontrollierte Lichttherapie, nicht auf stärkere UV-Exposition im Freien.

3. Was die Evidenz sagt

Für Lichttherapie ist die Forschung gemischt, und für gewöhnliche Sonnenexposition ist sie noch schwächer. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit untersuchte 71 Studien zu lichtbasierten Aknebehandlungen und kam zu dem Schluss, dass unklar war, ob die bewerteten Lichttherapien besser waren als Placebo, keine Behandlung oder topische Vergleichsbehandlungen. Auch ob mögliche Vorteile über die Zeit anhalten, blieb ungewiss.

Neuere Übersichtsarbeiten zur Therapie mit sichtbarem Licht sind ermutigender, besonders für Blaulicht, bleiben aber vorsichtig. Eine Übersichtsarbeit zur Blaulichttherapie ergab, dass einige Studien für Blaulicht sprachen, viele Studien jedoch klein, kurz und mit hohem Verzerrungsrisiko behaftet waren. Eine Übersichtsarbeit aus 2024 zu sichtbarem Licht fand in vielen Studien Verbesserungen der Läsionszahl, doch die Studien verwendeten unterschiedliche Geräte, Wellenlängen und Protokolle.

Leitlinien empfehlen natürliche Sonnenexposition nicht als Aknebehandlung.

Die Forschung zur Therapie mit sichtbarem Licht ist vielversprechender als Sonnenbaden, aber weiterhin uneinheitlich.

Beobachtungsstudien zeigen kein verlässliches Muster einer Besserung im Sommer.

Für natürliche Sonnenexposition ist die Evidenz nicht überzeugend:

  • Dermatologische Leitlinien empfehlen natürliche Sonnenexposition nicht als Aknebehandlung.
  • Eine narrative Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass Sonnenstrahlung das Erscheinungsbild von Läsionen vorübergehend verbessern kann, aber auch Entzündungen auslösen, die Pigmentierung oder Rötung nach Akne verschlimmern und zu Schüben beitragen kann.
  • Beobachtungsstudien zeigen kein verlässliches Muster einer Besserung im Sommer. In einer Studie mit 452 Patienten berichteten mehr Menschen über eine Verschlechterung der Akne im Sommer als über eine Besserung; häufig machten sie Schwitzen und hohe Luftfeuchtigkeit dafür verantwortlich.
  • In einer Krankenhausstudie zu Akne im Erwachsenenalter berichtete etwa ein Viertel der Patienten über eine Verschlechterung nach Sonnenexposition und ein ähnlich großer Anteil nach Schwitzen.

Am ausgewogensten lässt sich sagen: Licht kann die Aknebiologie beeinflussen, aber Sonnenlicht ist ein ungenauer und riskanter Weg, diesen Effekt nutzen zu wollen.

Quellen: Amerikanische Akademie für Dermatologie; NICE; Cochrane; FDA; Weltgesundheitsorganisation.

4. Was UV bei zu Akne neigender Haut bewirkt

Das Hauptproblem bei der Nutzung der Sonne gegen Akne ist ultraviolette Strahlung. UVA dringt tiefer in die Haut ein und trägt zu Bräunung, Pigmentierung und Hautalterung bei. UVB ist stärker mit Sonnenbrand verbunden. Beide können die Haut schädigen.

Bei zu Akne neigender Haut kann UV mehrere unerwünschte Effekte haben.

Erstens kann UV Talg oxidieren. Talg enthält Squalen, einen natürlichen Fettbestandteil. UVA-Exposition kann Squalen in oxidierte Produkte umwandeln, darunter Squalen-Monohydroperoxide. Diese oxidierten Lipide sind relevant, weil sie mit verstopften Poren und der Biologie von entzündlicher Akne in Verbindung gebracht werden.

Zweitens „trocknet“ UV die Talgproduktion nicht verlässlich auf hilfreiche Weise aus. In einer kleinen Studie mit 13 Aknepatienten erhöhten sowohl UVA als auch UVB in den ersten drei Tagen nach der Exposition die Talgwerte, bevor sie wieder in Richtung Ausgangsniveau zurückkehrten. Dieselbe Studie fand auch Veränderungen der Entzündungssignale innerhalb von Komedonen.

Drittens kann UV die Hautbarriere stören und Entzündungssignale verstärken. Eine aktuelle Laborstudie fand, dass UVA die Zusammensetzung talgähnlicher Lipide veränderte, entzündliche Zytokine in Sebozytenmodellen erhöhte und barrierebezogene Funktionen in rekonstruierter Haut beeinträchtigte.

Viertens kann UV die Spuren verschlimmern, die Akne hinterlässt. Postinflammatorische Hyperpigmentierung – die braunen Flecken, die nach Pickeln zurückbleiben – wird durch Sonnenlicht oft verstärkt. Postinflammatorisches Erythem – die roten oder rosafarbenen Flecken nach Akne – kann ebenfalls hartnäckiger wirken, wenn die Haut immer wieder gereizt oder der Sonne ausgesetzt wird.

Darum kann eine Bräunung irreführend sein. Sie kann Akne für ein oder zwei Wochen weniger sichtbar machen und zugleich die Wahrscheinlichkeit dunklerer Flecken, Reizungen und langfristiger Hautschäden erhöhen.

5. Morgensonne oder stärkere Sonne: Was wirkt besser?

Es gibt keine gute Evidenz dafür, dass Sonne am frühen Morgen, Mittagssonne oder intensivere Sonneneinstrahlung eine wirksame Aknebehandlung ist.

Wenn jemand versucht, eine Blaulichttherapie im Freien nachzuahmen, ist stärkere Sonne nicht die Antwort. Intensivere Sonne bringt mehr UV-Exposition, mehr Hitze, mehr Schwitzen und ein höheres Sonnenbrandrisiko mit sich. Sie liefert nicht gezielt eine sichere, auf Akne ausgerichtete Wellenlänge.

Frühes Morgenlicht hat je nach Jahreszeit, geografischer Breite, Wetter und Höhe meist einen niedrigeren UV-Index als die Mittagssonne. Das kann sicherer sein als die Sonne zur Spitzenzeit, aber „sicherer“ bedeutet nicht „als Aknebehandlung belegt“. Wenn Sie morgens gern draußen sind, ist das für das allgemeine Wohlbefinden in Ordnung, sollte aber weder eine Aknebehandlung noch den Sonnenschutz ersetzen, wenn die UV-Werte steigen.

Gesundheitsbehörden sind bei hochintensiver UV-Strahlung eindeutig. Die FDA rät dazu, die Sonnenexposition besonders zwischen 10 und 14 Uhr zu begrenzen, wenn UV oft am stärksten ist. Die Weltgesundheitsorganisation rät zu Sonnenschutz bei einem UV-Index von 3 oder höher und erklärt, dass es keine gesunde Bräune gibt.

6. Macht Sonnenschutz Akne besser oder schlechter?

Sonnenschutz blockiert keine nachgewiesene Aknebehandlung, denn natürliche Sonnenexposition ist keine nachgewiesene Aknebehandlung. Bei zu Akne neigender Haut geht es nicht darum, Sonnenschutz zu vermeiden, sondern darum, den passenden Sonnenschutz auszuwählen.

Frau trägt im Freien vor der Sonnenexposition Sonnenschutz auf – als Teil einer akneverträglichen Hautpflege.
Bei zu Akne neigender Haut ist die Formulierung entscheidend: leichte, nicht komedogene Sonnenschutzmittel werden oft besser vertragen als schwere, fettige Produkte.

Die Amerikanische Akademie für Dermatologie rät Menschen mit Akne zu einem breitbandigen, wasserresistenten Sonnenschutzmittel mit SPF 30 oder höher und dazu, Produkte zu wählen, die als nicht komedogen oder mit „verstopft die Poren nicht“ gekennzeichnet sind. NICE rät ebenfalls dazu, ölbasierte und komedogene Sonnenschutzmittel zu meiden.

Die Formulierung kann einen echten Unterschied machen. Schwere, fettige Sonnenschutzmittel können sich für manche Menschen unangenehm anfühlen oder eher zu verstopften Poren beitragen. Leichte Gele, Fluids, mineralische Formulierungen oder ölfreie Lotionen können für zu Akne neigende Haut besser geeignet sein. Getönte Sonnenschutzmittel können Menschen, die zu dunklen Flecken neigen, ebenfalls helfen, weil manche Tönungen sichtbares Licht blockieren, das die Pigmentierung verschlimmern kann.

Es gibt auch frühe klinische Hinweise darauf, dass Sonnenschutz die Aknebehandlung unterstützen kann. In einer Studie mit malaysischen Erwachsenen mit leichter bis mittelschwerer Akne, die Adapalen verwendeten, war die zusätzliche Anwendung eines Sonnenschutzmittels mit Licochalcone A und L-Carnitin mit besseren Akne-Schweregradwerten, verbesserter Hyperpigmentierung nach Akne und besserer Verträglichkeit verbunden, darunter weniger Trockenheit, Brennen, Stechen und Schuppung.

Sonnenschutz ist besonders wichtig, wenn Sie Aknebehandlungen wie topische Retinoide, Isotretinoin oder Doxycyclin anwenden, weil diese die Haut stärker reizen oder sonnenempfindlicher machen können.

Fazit

Bei manchen Menschen kann Sonnenexposition Akne vorübergehend besser aussehen lassen, aber sie ist keine verlässliche Aknebehandlung und wird von Leitlinien nicht unterstützt. Der potenziell nützliche Effekt stammt aus kontrollierter Therapie mit sichtbarem Licht, während natürliche Sonne UVA- und UVB-Risiken mit sich bringt: oxidierter Talg, Entzündungen, Pigmentierung, vorzeitige Hautalterung, Sonnenbrand und Hautkrebs. Für zu Akne neigende Haut ist der sicherere Ansatz eine evidenzbasierte Aknebehandlung plus ein nicht komedogenes Sonnenschutzmittel.

Quellen

  1. Amerikanische Akademie für Dermatologie — Klinische Leitlinie zu Akne
  2. NICE — Empfehlungen zu Acne vulgaris
  3. EuroGuiDerm — Aktualisierung der Akne-Leitlinie 2025
  4. Cochrane-Übersichtsarbeit — Einsatz von Licht als Therapie bei Akne
  5. Narrative Übersichtsarbeit — Sonnenexposition und Auswirkungen auf Akne
  6. Studie — UV-bedingte Verstärkung komedogener Substanzen
  7. Studie — UV-Bestrahlung, Zytokine und Talg bei Aknepatienten
  8. Studie — UVA und Squalenoxidation im Talg
  9. Studie — Auswirkungen von UVA auf die talgdrüsenbezogene Barrierefunktion
  10. Studie — Porphyrin-Mechanismus von Blaulicht bei C. acnes
  11. Systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse — Blaulichttherapie bei Akne
  12. Übersichtsarbeit — Sichtbares Licht in der Aknebehandlung
  13. Studie — Rotes versus blaues Licht bei Akne
  14. Amerikanische Akademie für Dermatologie — Tipps zur Selbstbehandlung bei Akne
  15. Amerikanische Akademie für Dermatologie — So wählen Sie den richtigen Sonnenschutz
  16. Amerikanische Akademie für Dermatologie — Hinweise zu Diagnose und Behandlung von Akne
  17. FDA — Überblick über ultraviolette Strahlung
  18. Weltgesundheitsorganisation — Gesundheitliche Auswirkungen ultravioletter Strahlung
  19. Weltgesundheitsorganisation — Faktenblatt zu ultravioletter Strahlung
  20. FDA — Hinweise zum Sonnenschutz
  21. Studie — Sonnenschutz als ergänzende Maßnahme bei Akne und Hyperpigmentierung nach Akne
  22. Studie — Saisonale Schwankungen bei Acne vulgaris
  23. Studie — Verschlimmernde Faktoren bei Akne im Erwachsenenalter

Haftungsausschluss

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