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Lecithin-Präparate erklärt: Anwendungen, Formen, Vorteile und Grenzen

Lecithin-Weichkapseln, Granulat und Flüssiglecithin neben Sonnenblumenkernen und Sojabohnen
Lecithin wirkt wie eine einheitliche Supplementkategorie, doch Herkunft und Verarbeitung können Phospholipidprofil, Allergenfragen und den wahrscheinlichen Cholinbeitrag verändern.

Zusammenfassung

Lecithin ist eine Mischung aus Phospholipiden, kein einzelner essenzieller Nährstoff, und seine ernährungsphysiologische Relevanz beruht zu einem großen Teil auf Phosphatidylcholin als möglicher Cholinquelle. Produkte, die als Lecithin verkauft werden, können sich in Herkunft, Verarbeitung und Phospholipidprofil unterscheiden; Etiketten garantieren daher weder eine gleichwertige Zusammensetzung noch gleiche Wirkungen.

Die aktuelle Evidenz stützt viele der verbreiteten Marketingaussagen zu Lecithin nicht. Für gewöhnliches Lecithin sind die Belege zu Gedächtnis, Demenz, Müdigkeit und Cholesterinsenkung schwach oder negativ, während das klarste positive klinische Signal eine spezielle Formulierung von Phosphatidylcholin mit verzögerter Freisetzung bei Colitis ulcerosa betrifft. Die Sicherheit bei Einsatzmengen in Lebensmitteln scheint belegt, doch hoch dosierte Supplement-Anwendung, quellenspezifische Allergenfragen und die gesamte Cholinexposition bleiben relevant.

Wissenschaftliche Evidenzbasis: Moderat Vorläufig

Kurzfakten

Wofür kann es nützlich sein?

Es liefert vor allem Phospholipide und etwas Cholin. Die stärksten direkten Belege betreffen Phosphatidylcholin mit verzögerter Freisetzung bei Colitis ulcerosa.

Präparateformen

Lecithin wird als Soja-, Sonnenblumen-, Ei- oder Rapslecithin verkauft sowie als Flüssiglecithin, Weichkapseln, Granulat, Pulver, hydrolysierte Varianten oder phosphatidylcholinangereicherte Produkte.

Wechselwirkungen

Mögliche Überschneidungen bestehen vor allem mit anderen Cholin-Produkten, weil die gesamte Cholinaufnahme steigen kann. Direkte Daten zu Wechselwirkungen und zur vergleichenden Bioverfügbarkeit sind begrenzt.

Nebenwirkungen

Berichtet wurden Magenbeschwerden, Durchfall, Ausschlag, Juckreiz, Dermatitis und allergische Reaktionen, besonders bei Anwendern mit Empfindlichkeit gegenüber Soja.

Weitere mögliche Vorteile

Es gibt frühe Hinweise aus Studien am Menschen zu trockenen Augen und einigen Gefäßmarkern, doch die Evidenz ist noch vorläufig und produktspezifisch.

Regulatorischer Status

In den USA gilt Lecithin für die Verwendung in Lebensmitteln als allgemein sicher anerkannt (GRAS), und in der EU wurden Lecithine E 322 neu bewertet, ohne Sicherheitsbedenken bei den gemeldeten Einsatzmengen in Lebensmitteln.

Was wir bereits darüber wissen

Was es ist. Lecithin ist kein einzelner gereinigter Nährstoff, sondern eine natürlich vorkommende Mischung aus Phospholipiden, zu der häufig Phosphatidylcholin, Phosphatidylethanolamin und Phosphatidylinositol gehören. Seine ernährungsphysiologische Relevanz beruht vor allem auf Phosphatidylcholin, das Cholin liefern kann, und nicht darauf, dass Lecithin selbst ein eigenständiger essenzieller Nährstoff wäre. (NIH ODS — Choline Fact Sheet; 21 CFR 184.1400 — Lecithin)

Warum Produkte unterschiedlich sind. Soja-, Sonnenblumen-, Ei- und Rapslecithin sind in ihrer Zusammensetzung nicht identisch, und Verarbeitungsschritte wie Entölung, Hydrolyse oder Anreicherung mit Phosphatidylcholin können Phospholipidprofil, Allergenfragen und den wahrscheinlichen Cholinbeitrag wesentlich verändern. Deshalb sollten ein flüssiges Lecithin, ein Granulat und eine mit Phosphatidylcholin angereicherte Formulierung nicht als austauschbar gelten. (EFSA — Lecithins E 322 re-evaluation; USDA — Lecithin de-oiled handling report; Food Hydrocolloids — Lecithin review)

Was durch Evidenz gestützt wird. Die stärkste Evidenz betrifft den Nährstoffkontext und die Sicherheit bei Verwendung in Lebensmitteln, nicht breite therapeutische Behauptungen. Studien und Reviews stützen Lecithin weder als wirksame Behandlung von Demenz noch als verlässliches cholesterinsenkendes Supplement, während die klarsten positiven Daten am Menschen ein mit Phosphatidylcholin angereichertes Lecithin mit verzögerter Freisetzung bei Colitis ulcerosa betreffen, bei dem die Freisetzung im Kolon offenbar zentral für die Wirkung ist. (Cochrane via PubMed — Lecithin for dementia; PubMed — Hyperlipidemic men trial; PubMed — Meta-analysis in ulcerative colitis)

Zusammenfassung relevanter wissenschaftlicher Forschung

Cholin-Kontext, kein eigenständiger Nährstoff — NIH Office of Dietary Supplements

Das NIH ordnet Lecithin vor allem als eine von mehreren Supplementformen ein, die cholinbezogene Verbindungen liefern können. Es weist außerdem darauf hin, dass keine Studien die relative Bioverfügbarkeit von Lecithin, Phosphatidylcholin und Cholinbitartrat verglichen haben, was starke Behauptungen einschränkt, eine Quelle sei eindeutig überlegen. (NIH ODS — Choline Fact Sheet)

Kein verlässlicher Nutzen bei Demenz — Cochrane and Linus Pauling Institute

Die von Cochrane ausgewerteten randomisierten Studien fanden keinen Vorteil von Lecithin gegenüber Placebo bei Demenz oder kognitiven Beeinträchtigungen. Zusammenfassungen des Linus Pauling Institute kommen bei hoch dosiertem Lecithin bei Alzheimer zu demselben Gesamtergebnis. (PubMed — Cochrane review on lecithin and dementia; Linus Pauling Institute — Choline; Linus Pauling Institute — Alzheimer's disease)

Behauptungen zur Cholesterinsenkung bleiben schwach belegt — Doppelblind-kontrollierte Studie

Bei Männern mit Hyperlipidämie zeigte Lecithin in einer placebokontrollierten Studie keinen eigenständigen Effekt auf Serumlipoproteine, Fibrinogen oder verwandte Marker. Das stellt selbstbewusste Marketingaussagen zur Cholesterinsenkung bei gewöhnlichen Lecithinprodukten direkt infrage. (PubMed — Lecithin in hyperlipidemic men)

Stärkstes Signal bei Colitis ulcerosa — Meta-Analyse und LT-02-Studien

Die vielversprechendsten klinischen Befunde betreffen ein auf den Darm ausgerichtetes, mit Phosphatidylcholin angereichertes Lecithin mit verzögerter Freisetzung. Eine Meta-Analyse von drei Studien fand Verbesserungen bei der Remission und anderen Endpunkten, und das LT-02-Programm unterstreicht, dass der Nutzen stark formulierungsspezifisch ist. (PubMed — Meta-analysis of enteric phosphatidylcholine; PubMed — LT-02 modified-release program)

Neue Anwendungsgebiete stehen noch am Anfang und sind uneinheitlich — Aktuelle Studien am Menschen

Eine kleine Studie zu trockenen Augen fand, dass Sonnenblumenlecithin 4.800 mg/Tag Anzeichen und Symptome bei Meibom-Drüsen-Dysfunktion verbesserte, während eine Studie zu Sojalecithin bei Müdigkeit trotz einiger sekundärer Verbesserungen keinen klaren Nutzen für den primären Müdigkeitsendpunkt zeigte. (PubMed — Sunflower lecithin in dry eye disease; PubMed — Soy lecithin in fatigued women)

Annahmen, Mythen & unbewiesene Behauptungen

Lecithin ist nachweislich gut fürs Gehirn

Das ist eine der ältesten Behauptungen zu Lecithin als Supplement, doch die hier vorliegenden Belege stützen sie nicht. Randomisierte Studien fanden keinen Vorteil von Lecithin gegenüber Placebo bei Demenz oder kognitiven Beeinträchtigungen, und akademische Zusammenfassungen berichten, dass hoch dosiertes Lecithin die kognitiven Endpunkte bei Alzheimer nicht verbesserte. (PubMed — Cochrane review on lecithin and dementia; Linus Pauling Institute — Choline; Linus Pauling Institute — Alzheimer's disease)

Es senkt Cholesterin zuverlässig, indem es Fett auflöst

Die hier dargestellte klinische Evidenz rechtfertigt diese Aussage nicht. Eine placebokontrollierte Studie bei Männern mit Hyperlipidämie fand keine eigenständige Verbesserung bei Lipoproteinen oder verwandten Markern, sodass pauschale Behauptungen zur Cholesterinsenkung überzogen sind. (PubMed — Lecithin in hyperlipidemic men)

Anwendungen beim Stillen und bei Müdigkeit sind vollständig belegt

Lecithin wird häufig bei verstopften Milchgängen empfohlen, und die Unterlagen der EMA nennen Sojabohnenlecithin zur Linderung von Müdigkeit und Schwäche, doch beide Aussagen brauchen eine sorgfältige Einordnung. Die Empfehlungen fürs Stillen beruhen auf Evidenz mit geringer Sicherheit, LactMed weist darauf hin, dass wissenschaftlich belastbare Studien fehlen, und die Position der EMA beruht auf traditioneller Anwendung statt auf modernem klinischem Nachweis. (Academy of Breastfeeding Medicine — Protocol #36; LactMed — Lecithin; EMA — Soya-bean lecithin monograph)

Sonnenblumenlecithin ist Sojalecithin klinisch überlegen

Die aktuelle Evidenz zeigt keine pauschale klinische Überlegenheit. Die am besten vertretbaren Unterschiede sind praktische Punkte wie Allergenpräferenz, Verarbeitungsentscheidungen und die Zusammensetzung der Phospholipide, während die vergleichende Bioverfügbarkeit zwischen Supplementformen weiterhin nicht geklärt ist. (NIH ODS — Choline Fact Sheet; USDA — Lecithin de-oiled handling report)


Sojabohnen, Sonnenblumenkerne, Ei und Lecithin-Granulat als Ausgangszutaten angeordnet
Soja-, Sonnenblumen-, Ei- und Rapslecithin tragen dieselbe Sammelbezeichnung, doch ihre Zusammensetzung und praktische Verwendung sind nicht identisch.

Detaillierte Beobachtungen aus der Forschung

Lecithin ist eine Mischung, kein fest definierter Nährstoff

Lecithin lässt sich am besten als Phospholipidgemisch und nicht als einzelner gereinigter Nährstoff verstehen. Die US-Lebensmittelregulierung beschreibt handelsübliches Lecithin als eine natürlich vorkommende Mischung aus Phosphatiden von Cholin, Ethanolamin und Inositol sowie kleineren Mengen anderer Lipide. Das ist wichtig, weil die Bezeichnung „Lecithin“ präziser klingen kann, als sie tatsächlich ist. Von einem als Lecithin gekennzeichneten Produkt sollte man nicht annehmen, dass es sich wie reines Phosphatidylcholin oder wie ein Cholin-Supplement mit fester Dosierung verhält. (21 CFR 184.1400 — Lecithin)

Seine ernährungsphysiologische Bedeutung beruht vor allem auf Phosphatidylcholin, das Cholin liefern kann, einem essenziellen Nährstoff, der an Zellmembranen, Neurotransmission und Lipidtransport beteiligt ist. Der breitere ernährungsphysiologische Rahmen richtet sich daher auf Cholin und nicht auf Lecithin als eigenständigen essenziellen Nährstoff. Diese Unterscheidung erklärt, warum Lecithin ernährungsphysiologisch relevant sein kann, ohne automatisch ein therapeutisch belegtes Supplement zu sein. (NIH ODS — Choline Fact Sheet)

Cholin-Zielwerte lassen sich nicht direkt aus Lecithin-Angaben ableiten

Der verlässlichste Rahmen für die Zufuhr in den Quellen ist Cholin, nicht Lecithin. Das NIH erklärt, dass der Mensch in der Leber etwas Cholin synthetisiert, aber nicht genug, um den Bedarf zu decken, und dass in den USA etwa die Hälfte des Cholins aus der Nahrung als Phosphatidylcholin aufgenommen wird. Die EFSA hat außerdem angemessene Aufnahmemengen für Erwachsene, Schwangerschaft und Stillzeit festgelegt, was die ernährungsphysiologische Bedeutung von Cholin widerspiegelt. (NIH ODS — Choline Fact Sheet; EFSA — Choline dietary reference values)

Was auf Lecithin-Etiketten meist fehlt, ist die tatsächliche Menge an Phosphatidylcholin. Weil Herkunft und Verarbeitung die Zusammensetzung deutlich verändern können, lässt sich eine Angabe wie 1.200 mg Lecithin ohne genauere produktspezifische Daten nicht direkt in eine sinnvolle Cholindosis umrechnen. Deshalb sollte man Grammangaben für Lecithin nicht so behandeln, als wären sie ernährungsphysiologisch austauschbar. (EFSA — Lecithins E 322 re-evaluation; NIH ODS — Choline Fact Sheet)

Herkunft und Verarbeitung verändern das Produkt

Soja bleibt die wichtigste kommerzielle Quelle für Lecithin, doch Sonnenblumen-, Ei- und Rapslecithin sind etablierte Alternativen. Diese Quellen sind chemisch nicht identisch. Die im Artikel zitierten regulatorischen und technischen Quellen zeigen, dass sich die Phospholipidprofile je nach Quelle unterscheiden, was Emulgierverhalten, Fettsäurezusammensetzung, Allergenfragen, Eignung für die Verarbeitung und die theoretische Menge an Cholin beeinflussen kann, die aus Phosphatidylcholin freigesetzt wird. (EFSA — Lecithins E 322 re-evaluation; USDA — Lecithin de-oiled handling report)

Dasselbe gilt für die Form. Flüssiglecithin, Granulat, Pulver, entölte Pulver, hydrolysiertes Lecithin, mit Phosphatidylcholin angereicherte Materialien und liposomale Produkte sollten nicht als austauschbar betrachtet werden. Übersichtsarbeiten aus der Lebensmittelwissenschaft beschreiben, wie die Zusammensetzung Stabilität und Funktionalität beeinflusst, einschließlich des Verhaltens von mit Phosphatidylcholin oder Lysophospholipiden angereicherten Systemen. Praktisch gesehen verbirgt die breite Bezeichnung Lecithin bedeutsame Unterschiede in Chemie und wahrscheinlichem biologischem Verhalten. (Food Hydrocolloids — Lecithin review; USDA — Lecithin de-oiled handling report)

Bioverfügbarkeit bleibt eine wichtige Unbekannte

Eine der deutlichsten Evidenzlücken betrifft die vergleichende Resorption. Das NIH weist ausdrücklich darauf hin, dass keine Studien die relative Bioverfügbarkeit von Cholin-Supplementen wie Lecithin, Phosphatidylcholin und Cholinbitartrat verglichen haben. Damit sind starke Marketingaussagen, eine Quelle oder ein Lecithintyp sei klar überlegen, durch die hier geprüften direkten Daten am Menschen nicht gut gestützt. (NIH ODS — Choline Fact Sheet)

Diese Lücke ist wichtig, weil Verbraucher Produkte oft allein nach dem hervorgehobenen Inhaltsstoffnamen vergleichen. Tatsächlich können Herkunft, Anreicherung mit Phosphatidylcholin, Ölgehalt und Abgabesystem die Exposition im Körper beeinflussen, direkte Vergleichsdaten am Menschen fehlen jedoch. Praktisch heißt das: „Sojalecithin“, „Sonnenblumenlecithin“ und „Phosphatidylcholin“ sind keine evidenzbasierten Synonyme für gleiche Bioverfügbarkeit. (NIH ODS — Choline Fact Sheet)

Klassische Behauptungen zu Gehirn und Cholesterin sind schwach belegt

Der langjährige Ruf von Lecithin als Gedächtnis-Supplement beruhte auf der Idee, dass Phosphatidylcholin die Verfügbarkeit von Acetylcholin im Gehirn erhöhen könnte. Theoretisch klingt dieser Mechanismus plausibel, doch randomisierte klinische Evidenz bestätigte keinen klinisch relevanten Nutzen bei Demenz. Die von Cochrane ausgewerteten Studien fanden Lecithin nicht besser als Placebo, und Zusammenfassungen des Linus Pauling Institute berichten über keine kognitive Verbesserung durch hoch dosiertes Lecithin bei Alzheimer. (PubMed — Cochrane review on lecithin and dementia; Linus Pauling Institute — Choline; Linus Pauling Institute — Alzheimer's disease)

Auch kardiovaskuläre und lipidbezogene Behauptungen bleiben im geprüften Evidenzspektrum schwach. Eine placebokontrollierte Studie bei Männern mit Hyperlipidämie fand keinen eigenständigen Nutzen für Serumlipoproteine oder verwandte Marker. Zwar berichtete eine Studie zu Müdigkeit einige sekundäre Ergebnisse zu Gefäßmarkern bei höheren Dosen von Sojalecithin, doch das waren sekundäre Endpunkte in einer spezifischen Population und belegen keine allgemeine Anwendung für Herzgesundheit oder Cholesterinsenkung. (PubMed — Lecithin in hyperlipidemic men; PubMed — Soy lecithin in fatigued women)

Das stärkste positive Signal beim Menschen ist formulierungsspezifisch

Das klarste positive Wirksamkeitssignal im Artikel betrifft nicht gewöhnliches Lecithin aus dem Handel, sondern mit Phosphatidylcholin angereichertes Lecithin mit verzögerter Freisetzung bei Colitis ulcerosa. Eine Meta-Analyse von drei Studien berichtete Verbesserungen bei der Remission und anderen Endpunkten, und das LT-02-Programm unterstrich die Bedeutung der modifizierten Freisetzung in den Darm. Das legt nahe, dass die ortsspezifische Freisetzung Teil des Behandlungskonzepts ist und kein optionales Detail. (PubMed — Meta-analysis of enteric phosphatidylcholine; PubMed — LT-02 modified-release program)

Außerhalb von Colitis ulcerosa gibt es nur wenige neue Anwendungsgebiete, und die Evidenz dazu ist weiterhin vorläufig. Eine kleine Studie fand, dass Sonnenblumenlecithin 4.800 mg/Tag Anzeichen und Symptome bei trockenen Augen mit Meibom-Drüsen-Dysfunktion verbesserte, während eine Studie zu Sojalecithin bei Müdigkeit den primären Müdigkeitsendpunkt trotz einiger sekundärer Veränderungen nicht verbesserte. In der Stillpraxis wird Lecithin häufig bei verstopften Milchgängen empfohlen, doch die Evidenzbasis ist von geringer Sicherheit, und eine wissenschaftlich belastbare Bestätigung fehlt. (PubMed — Sunflower lecithin in dry eye disease; PubMed — Soy lecithin in fatigued women; Academy of Breastfeeding Medicine — Protocol #36; LactMed — Lecithin)

Regulatorischer Status (EU und USA)

Vereinigte Staaten

Nach 21 CFR 184.1400 gilt Lecithin für die Verwendung in Lebensmitteln unter geltender guter Herstellungspraxis als allgemein sicher anerkannt. Dieser Status stützt seine Verwendung als Lebensmittelzutat und Emulgator, nicht aber Behauptungen, Lecithin-Supplemente behandelten Krankheiten oder lieferten die im Marketing oft suggerierten spezifischen Vorteile. (21 CFR 184.1400 — Lecithin)

Europäische Union

In der EU sind Lecithine als Lebensmittelzusatzstoff E 322 reguliert, und die Neubewertung der EFSA ergab bei den gemeldeten Einsatzmengen in Lebensmitteln keine Sicherheitsbedenken. Die EFSA hat auch Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr für Cholin festgelegt, doch diese Zufuhrwerte bedeuten keine Zulassung von Lecithin-Supplementen für klinische Endpunkte. (EFSA — Lecithins E 322 re-evaluation; EFSA — Choline dietary reference values)

Die Monografie der EMA macht außerdem einen wichtigen Unterschied deutlich: Sojabohnenlecithin ist zur Linderung von Müdigkeit und Schwäche nur auf Grundlage traditioneller Anwendung anerkannt, bei unzureichender relevanter klinischer Evidenz. Im US-Kontext von Nahrungsergänzungsmitteln weist LactMed außerdem darauf hin, dass diese Produkte ohne vorherigen Nachweis von Sicherheit und Wirksamkeit vermarktet werden. (EMA — Soya-bean lecithin monograph; LactMed — Lecithin)

Dosierung und Standardisierung

Untersuchte Dosisspanne: Es gibt keine einheitliche Standarddosis für Lecithin, weil sich Produkte im Gehalt an Phosphatidylcholin unterscheiden. In Studien am Menschen wurden 600–1.200 mg/Tag bei Müdigkeit und 4.800 mg/Tag bei trockenen Augen verwendet, während Empfehlungen in der Stillzeit 5–10 g/Tag auf Grundlage von Evidenz mit geringer Sicherheit nennen. Für Cholin, nicht für Lecithin, liegen die Zielwerte bei 550 mg/Tag für Männer in den USA und 425 mg/Tag für Frauen in den USA.

Sicherheit und Wechselwirkungen

In den bei Lebensmitteln üblichen Einsatzmengen erscheint Lecithin insgesamt sicher. Bewertungen aus den USA und der EU stützen seine Verwendung als Lebensmittelzutat, doch diese Befunde belegen nicht automatisch die Langzeitsicherheit einer hoch dosierten Anwendung als Nahrungsergänzungsmittel. (21 CFR 184.1400 — Lecithin; EFSA — Lecithins E 322 re-evaluation)

Die am besten dokumentierten praktischen Bedenken betreffen Allergien und Magen-Darm-Effekte. Die EMA-Monografie zu Sojabohnenlecithin nennt allergische Reaktionen, Juckreiz, Dermatitis, Ausschlag, Bauchschmerzen und Durchfall und rät Menschen mit Allergien gegen Soja, Erdnüsse, andere Hülsenfrüchte oder Birkenpollen zur Vermeidung. (EMA — Soya-bean lecithin monograph)

Eine hoch dosierte Anwendung verdient auch aus metabolischer Sicht Vorsicht. Das NIH setzt für Erwachsene einen oberen Grenzwert von 3.500 mg/Tag für Cholin, und die Kombination von Lecithin mit anderen cholinhaltigen Produkten kann die Gesamtaufnahme erhöhen. Mechanistische Forschung am Menschen zeigt außerdem, dass oral aufgenommenes Phosphatidylcholin Trimethylamin-N-oxid erhöhen kann, eine Verbindung, die mit kardiovaskulärem Risiko in Zusammenhang gebracht wird. Das ist ein plausibler Vorsichtshinweis für die chronische Hochdosis-Anwendung bei Personen mit höherem Risiko. (NIH ODS — Choline Fact Sheet; Clinical study — Phosphatidylcholine metabolism and TMAO)

Fazit

Lecithin lässt sich am genauesten als Phospholipidmischung und als aus Lebensmitteln gewonnener Inhaltsstoff verstehen, der Phosphatidylcholin und indirekt Cholin liefern kann. Das macht es ernährungsphysiologisch relevant, aber nicht automatisch zu einem therapeutisch belegten Supplement. Die stärkste Evidenz rund um Lecithin betrifft Zusammensetzung, Sicherheit bei Verwendung in Lebensmitteln und den Cholin-Kontext.

Am schwächsten ist die im Marketing verbreitete Vorstellung, Lecithin sei breit belegt – für Gedächtnis, Demenz, Cholesterinsenkung oder allgemeine Vitalität. Das aussagekräftigste positive klinische Signal betrifft spezialisiertes, mit Phosphatidylcholin angereichertes Lecithin mit verzögerter Freisetzung bei Colitis ulcerosa, während die Evidenz bei trockenen Augen und in anderen Bereichen noch in einem frühen Stadium ist. Für Verbraucher bedeutet das praktisch: Herkunft und Form sind wichtig, Grammangaben für Lecithin verraten nicht die tatsächliche Cholinabgabe, und traditionelle Anwendung sollte nicht mit modernem Nachweis verwechselt werden.

Haftungsausschluss

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